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Aktuelle Themen: Wohnstadt Gerolzhofen

 

Welche Entwicklung wird die Stadt Gerolzhofen in den nächsten 20 Jahren nehmen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich geo-net-Stadtrat Thomas Vizl in einem Schreiben an Bürgermeister Hartmut Bräuer und an die Fraktionen des Stadtrates. Ziel: eine ergebnisoffene Diskussion anzustoßen.

 

 

 

Gerolzhofen, 26. Sept. 2004

 

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

die mittel- und langfristige Entwicklung der Stadt Gerolzhofen hängt m.E. von den folgenden Faktoren ab, die natürlich in die allgemeine Entwicklung in Deutschland eingebettet sind:

 

a)     Arbeitsplätze (Gewerbe, Industrie, Dienstleistung, Verwaltung) in Gerolzhofen und der Region;

b)     Zahl, Struktur (Erwachsene, Kinder, alte Leute) und Kaufkraft der Einwohner;

c)      Entwicklung von Einzelhandel und Handwerk in Gerolzhofen;

d)     Fremdenverkehr.

 

Die verschiedenen Faktoren hängen miteinander zusammen und können nur teilweise durch das Handeln des Stadtrates und der Verwaltung beeinflußt werden.

 

Zu a) Hier hat die Stadt nur geringe Einflußmöglichkeiten (wie z.B. Bereitstellung von Gewerbe- und Industrieflächen). Entscheidend sind die übergeordneten Faktoren (wirtschaftliche Lage, Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland usw.).

 

Zu b) Die Einwohnerzahl und –struktur

  1. ist von der ausreichenden Zahl von Arbeitsplätzen am Ort und in der Region abhängig,
  2. ist vom Vorhandensein ausreichenden und attraktiven Wohnraums und Baugeländes abhängig,
  3. hängt vom Vorhandensein einer entsprechenden Verkehrsinfrastruktur (Straßen, öffentliche Verkehrsmittel, Radwege, Fußgängerbereiche und –wege) ab,
  4. wird durch die vor Ort vorhandene Infrastruktur im Kinder-, Jugend-, Schul-, Kultur-, Gesundheits- und Freizeitbereich beeinflußt.

In diesem Bereich hat die Kommune vielfältige Möglichkeiten, die Attraktivität des Ortes als Wohnstadt zu beeinflussen.

 

Zu c) Die Situation von Handel und Handwerk hängt vor allem von den Faktoren a) und b) ab, teilweise spielt auch der Fremdenverkehr eine Rolle.

 

Zu d) Der Fremdenverkehr wird ermöglicht durch die Natur und Landschaft, regionale Produkte (Wein), historische Innenstadt, gute Gastronomie, Events (Weinfeste), freundliche und offene Menschen und entsprechende Vermarktung der Region.

 

 

In dieser Ausarbeitung möchte ich meine Überlegungen zum Punkt b) Zahl, Struktur (Erwachsene, Kinder, alte Leute) und Kaufkraft der Einwohner, kurz benannt mit dem Titel

 

Wohnstadt Gerolzhofen

 

in die Diskussion einbringen und dabei erste Maßnahmen vorschlagen.

 

 

 

1.      Handlungsfeld Stadtmarketing

 

Aufgrund der allgemein zurückgehenden Bevölkerungsentwicklung und aufgrund der sich verändernden Bevölkerungsstruktur ist ein Rückgang von Wohnbevölkerung und vor allem von Kindern und Jugendlichen in Gerolzhofen anzunehmen. Dies wirkt sich negativ auf vorhandene Einrichtungen (Kindergärten, Schulen usw.) aber auch auf Vereine (Sport) und Freizeiteinrichtungen aus. Die Regionen, Städte und Gemeinden werden zukünftig verschärft einem Wettbewerb um Wohnbevölkerung ausgesetzt sein. Gerolzhofen konkurriert mit Schweinfurt, Haßfurt, Volkach, Wiesentheid, Kitzingen, aber auch den Umlandgemeinden um die Ansiedlung von Einwohnern.

 

Einwohner bringen Umsätze im Handel und Dienstleistungen, Einnahmen bei Einrichtungen (z.B. Geomaris), Umsätze im Baugewerbe für Häuser und Wohnungen (Neubau und Sanierung) und der Stadt Steuerzuweisungen.

 

 

1.1  Wohnungs-, Immoblienmarkt

Wohnungs- und Immobilienangebote sind in den Tages- und Wochenzeitungen gestreut. Mit den Medien soll über eine Bündelung der Gerolzhöfer Anzeigen in einer speziell gestalteten und regelmäßig erscheinenden Sammelanzeige gesprochen werden. Teil dieser Sammelanzeige, die regelmäßig im gleicher optischer Gestalt (Logo) im Immobilienteil der Zeitungen erscheinen soll, ist eine Werbung der Stadt Gerolzhofen für die „Wohnstadt GEO“ und für jeweils eine wichtige Infrastruktureinrichtung der Stadt (Geomaris, Kindergärten, Schulen, Bibliothek, Volkshochschule, Events …). Interessenten bekommen somit einen Eindruck vom vielfältigen Angebot in Gerolzhofen.

 

Aufgaben der Stadt Gerolzhofen:

Prüfung der Voraussetzungen, Gespräche mit den Zeitungen, Gestaltung der Sammelanzeige, Lieferung von Texten zu den Infrastruktureinrichtungen

Finanzielle Aufwendungen der Stadt erforderlich:

Ja (Werbung für Infrastruktureinrichtungen) und evt. für den Gestaltungsentwurf.

Beschlüsse des Stadtrats erforderlich:

Nach Prüfung des Vorschlags

Erfolgsindikator:

Konstante oder steigende Einwohnerzahl bis 2006.

 

 

1.2  Elektronische Medien

In einem zweiten Schritt kann auch die Einbeziehung der elektronischen Medien (lokales TV, Lokalradio Schweinfurt und Würzburg) geprüft werden.

 

Aufgaben der Stadt Gerolzhofen:

Wie 1.1

Finanzielle Aufwendungen der Stadt erforderlich:

Wie 1.1

Beschlüsse des Stadtrats erforderlich:

Nach Prüfung des Vorschlags

Erfolgsindikator:

Konstante oder steigende Einwohnerzahl bis 2006.

 

 

1.3  Kompetenzzentrum Marketing

Werbung für die Stadt als Wohnort, touristisches Ziel, Ansiedlung von Gewerbe und Industrie, Werbung für die Einrichtungen der Stadt, wie Geomaris, Bibliothek, Museen, usw. sollte in einer Einrichtung gebündelt werden. Ziel ist die Erhöhung der Qualität und Effektivität der zum Teil kostenintensiven Werbemaßnahmen.

Als zuständige Einrichtung für Werbung und Marketing (Kompetenzzentrum) kommt die Touristinformation in Frage. Hierzu wären Gespräche mit den anderen beteiligten Gemeinden zu führen, die auch von einem verbesserten Marketing profitieren würden.

 

Aufgaben der Stadt Gerolzhofen:

Prüfung der Voraussetzungen, Gespräche mit den betroffenen Gemeinden, Abstimmung mit den betroffenen Einrichtungen wie Geomaris, Bibliothek, Museen usw.

Finanzielle Aufwendungen der Stadt erforderlich:

Ja (bei Kompetenzzentrum)

Beschlüsse des Stadtrats erforderlich:

Nach Prüfung des Vorschlags

Erfolgsindikator:

Einheitliches Erscheinungsbild der Stadt und ihrer Einrichtungen, mittelfristig Erhöhung der Besucherzahlen in Gerolzhofen.

 

 

2.      Handlungsfeld Infrastruktur

 

Gerolzhofen besitzt mit den städtischen oder vereinseigenen Einrichtungen

-     Geomaris

-     Stadtbibliothek

-     Touristinformation

-     Museum Altes Rathaus

-     demnächst Museum Johanniskapelle

-     Jugendhaus

-     Stadthalle

-     Sporthallen (einschl. Landkreishalle)

-     FC-Sportgelände

-     Alleen und Naherholungseinrichtungen in der Stadt und der Umgebung

-     GoKartbahn

-     Hundevereinsgelände

-     Kegelbahn

-     Modelfluggelände

-     Gastronomische Infrastruktur

 

den Kinder- und Bildungseinrichtungen:

-     Ganztageskindergärten mit Mittagsbetreuung und Kinderhort

-     Grundschule

-     Sprachheilschule

-     Hauptschule mit M-Zweig

-     6stufige Realschule

-     Gymnasium bis Klasse 10

-     VHS

 

den öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistern:

-     Polizeiinspektion

-     Geomed-Krankenhaus

-     Klinik am Steigerwald (Chin. Medizin)

-     Arztpraxen der verschiedenen Fachbereiche

-     und Freiberufler (Steuerberater, Architekten, Ingenieure usw.)

 

eine im Vergleich mit anderen Städten gleicher Größe hervorragende Infrastruktur. Diese ist – wie im Handlungsfeld 1 beschrieben – öffentlich hervorzuheben und punktuell auszubauen und neuen Erfordernissen anzupassen.

 

 

 

2.1  Ganztageskinderbetreung

Die Ganztageskinderbetreuung ist für manche Einheimische, aber besonders auch für Familien die einen Wohnsitz in der Region suchen, ein wichtiges Argument für die Wahl des Wohnortes. Das bestehende, hervorragende Angebot der beiden Kindergärten ist im Rahmen des Stadtmarketings hervorzuheben und bei Bedarf auszubauen.

 

Aufgaben der Stadt Gerolzhofen:

Prüfung der Voraussetzungen, Gespräche mit den Kindergartenträgern, Marketing

Finanzielle Aufwendungen der Stadt erforderlich:

Ja, falls infolge von Zuzug Mehrbedarf entsteht

Beschlüsse des Stadtrats erforderlich:

Bei Mehrbedarf

Erfolgsindikator:

Zuzug von jungen Familien nach Gerolzhofen.

 

2.2  Ganztagesschule

Wie die Ganztagesbetreuung im Vorschulalter wird auch die Ganztagsschule durch geänderte Anforderungen des Arbeitsmarktes (kein Elternteil am Nachmittag zu Hause) und durch die sich erhöhenden Qualitätsanforderungen an die Schulen (PISA-Studie) zukünftig eine höheren Stellenwert bekommen. Es sollte geprüft werden, ob die Schulträger hier in Gerolzhofen ein Angebot einrichten können. Die örtliche Nähe von Realschule und Gymnasium verbessert die Voraussetzungen.

Der Schulstandort Gerolzhofen könnte hierdurch weiter gestärkt werden und würde sich von anderen umliegenden Schulorten deutlich abheben.

 

Aufgaben der Stadt Gerolzhofen:

Prüfung der Voraussetzungen, Gespräche mit den Schulleitungen, Schulträgern, zuständigen Landesbehörden, nach einer Realisierung auch Marketing

Finanzielle Aufwendungen der Stadt erforderlich:

Ja, falls der Schulverband betroffen (Grund- und Hauptschule)

Beschlüsse des Stadtrats erforderlich:

Bei Bedarf

Erfolgsindikator:

Zuzug von jungen Familien nach Gerolzhofen.