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Aktuelle Themen      02.12.2007

 

Ein- und Ausblicke aus einem

der ältesten Gebäude der Stadt Gerolzhofen

 

 

 

Die Interessensgemeinschaft für Bauwerkserhalt, Umwelt und Kulturpflege e.V. (Sprecher: Matthias Braun, Herlindenstr. 27, 97509 Kolitzheim-Herlheim) besichtigte am 2. Dezember 2007 eines der ältesten Gebäude der Stadt Gerolzhofen: Das ehemalige „Stumpf-Anwesen“ am Marktplatz 9, gegenüber vom Rathaus. Fachkundig geführt vom Marktheidenfelder Restaurator E. Hartmann konnten die Besucherinnen und Besucher einen Eindruck vom hohen denkmalpflegerischen Wert und gutem Erhaltungszustand der alten Bausubstanz gewinnen.

 

Stadtrat Thomas Vizl wies darauf hin, dass der Stadtrat sich beim Kauf des Anwesens der Verantwortung für das Gebäude bewusst war und es nicht in falsche Hände geben wollte. Aber noch sei die zukünftige Nutzung des Gebäudes unklar. Sowohl eine städtische Sanierung als auch ein Weiterverkauf sei denkbar. Die Interessengemeinschaft ist aufgerufen, eigene Ideen und Vorschläge hierzu einzubringen.

 

 

Den Wert des Gebäudes erläuterte im Oktober 2007 Dr. Martin Brandl vom Landesamt für Denkmalpflege dem Gerolzhöfer Stadtrat. Die MainPost berichtete ausführlich über den Vortrag (siehe unten).

 

 

 

Aus der MainPost vom 23.10.2007

 

GEROLZHOFEN

„Wertvolles Zeugnis der Stadtgeschichte“

Jetzt wird nach einer Nutzung des Stumpf-Anwesens am Marktplatz gesucht

 

Als ein aus denkmalpflegerischer Sicht sehr erhaltenswertes „Bürgerhaus in Bestlage“ und als „wertvolles Zeugnis der Stadt- und der Regionalgeschichte“ bezeichnete Dr. Martin Brandl vom Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Schloss Seehof, das einstige Anwesen der Familie Stumpf am Marktplatz. Im Stadtrat stellte er die Untersuchungsergebnisse für das Gebäude vor, das die Stadt vor gut einem Jahr von der Katholischen Kirchenstiftung erwarb. Diese hatte es nach dem Tod der Besitzerin Betty Stumpf geerbt. Was aus dem Haus werden soll, ist noch offen. 

 

Das Bauwerk zeige wertvolle denkmalpflegerische Substanz, sagte Brandl. Außergewöhnlich sei nicht nur die durchgehende Bemalung aller Räume, sondern auch, dass viele Bauelemente aus der Zeit der Renaissance unverfälscht erhalten geblieben seien. Von einer „Barockisierung“ sei das Gebäude mit seinen kunstvoll verzierten Türen und Fachwerkverzierungen verschont geblieben.

 

1616 muss es gebaut worden sein – unter Verwendung von Teilen eines spätmittelalterlichen Hauses. Das Alter dieser Gebäudeteile kann auf die Jahre 1489/90 datiert werden. 1687 wurde das Haus renoviert. Die Fresken aus dieser Zeit im Obergeschoss seien noch zu etwa 80 Prozent erhalten. Das habe er bei einem Privathaus aus dieser Zeit noch nie erlebt, sagte Brandl.

 

Von Umbauten verschont

Von Umbauten und größeren Änderungen blieb das Gebäude seit dem 18. Jahrhundert verschont. Allerdings, so der Gutachter, sei das Haus im Laufe der Zeit etwas in Schieflage geraten und habe sich ein wenig zum Nachbaranwesen hin geneigt. Das liege zum Teil an einer Absenkung und Verformung der nördlichen Giebelwand und einer damit verbundenen Verkippung des Dachstuhls, aber auch an einer Beschädigung tragender Teile auf der Westseite aufgrund von Durchnässung. Solche statischen Schäden seien aber nicht außergewöhnlich bei einem Haus mit einem solchen Alter. Standfest sei das Gebäude auf alle Fälle, nachdem der Stadtbauhof einige Stützen in kritischen Bereichen einzog.

 

Die Frage sei jetzt, so Brandl, wie das Haus künftig genutzt werden soll. Geeignet wäre es als Wohnhaus oder auch zum Wohnen und Arbeiten. Die Aufteilung der Räume und die Deckenhöhen seien dafür günstig. Kleinere Veränderungen könnten vorgenommen werden. Als Geschäftshaus komme das Gebäude nicht in Frage, weil zum Beispiel Veränderungen wie Schaufenster nicht genehmigt würden. Auch die Erweiterung des daneben liegenden Hotels um das Stumpf-Anwesen komme wohl nicht in Betracht, weil ein Beherbungsbetrieb Standards erfüllen muss, die das Gebäude im Innern zu sehr beeinträchtigen würden. Und für eine öffentliche Nutzung des Hauses gebe es viele Anforderungen, die die Struktur des Gebäudes verändern würden. In das Haus eine Heizung und Sanitäranlagen einzubauen, wonach Stadträtin Lieselotte Feller fragte, dürfte dagegen kein Problem sein, denn dafür gebe es heutzutage viele geeignete Systeme, sagte Brandl. Die Heizungstechnik könnte gebündelt im ehemaligen Stallanbau des Anwesens untergebracht werden.

 

Stadtrat Werner Ach wollte Näheres zu den Fördermöglichkeiten für eine Sanierung des Gebäudes wissen. So wie es aussehe, habe die Stadt „die Katze im Sack gekauft“ und es dürfte schwer fallen, die nötigen Mittel aufzubringen. Die Förderung hänge von vielen Faktoren ab. Mehr könne er leider dazu nicht sagen, erklärte Brandl. Er riet aber, alle Vorplanungen mit dem Landratsamt und dem Landesamt für Denkmalpflege abzustimmen. Änderungen könnten bei dem überregional bedeutsamen Objekt nur genehmigt werden, wenn es sich um Hinzufügungen handele. Etwas aus der Gebäudesubstanz herauszunehmen sei so gut wie ausgeschlossen. Ach sprach auch die Schäden am Gebäude an. Brandl konnte da beruhigen. Die Statik sei vom Bauhof durch Abstützungen abgesichert. „Das Haus fällt Ihnen in absehbarer Zeit nicht ein. Sie haben Zeit zum Überlegen“, sagte Brandl, an den ganzen Stadtrat gewandt.

 

Liebhaber gesucht

Stadtrat Thomas Vizl meinte, der Stadtrat sei sich wohl einig, dass das Gebäude erhalten werden soll. Doch über einen Verkauf an einen Liebhaber oder eine eigene Nutzung werde man noch intensiv nachdenken müssen. Um einen Käufer für ein solches Gebäude zu finden, empfahl Brandl auf Anfrage von Vizl, das Haus über Makler anzubieten. Es gebe auch auf der Internetseite des Landesamtes einen Möglichkeit, das Objekt für einen interessierten Käuferkreis einzustellen.

 

Einstimmig beschloss der Stadtrat wie von Brandl angeregt, jetzt eine Nutzungsstudie für das Gebäude erstellen zu lassen. Eine denkbare Nutzung habe sich bei einer Begehung des Gebäudes mit den Museumsleitern der Stadt, Klaus Vogt und Bertram Schulz, aufgezeigt, sagte Bürgermeisterin Irmgard Krammer. Die Beiden hätten darauf hingewiesen, dass zum einen die Volkshochschule noch Räume benötige, die in dem Haus zur Verfügung stünden, und dass zum anderen für das Museum ein Büroraum wünschenswert wäre. Eine öffentliche Nutzung des Gebäudes wäre so gegeben.

 

Stadtrat Horst Gandziarowski meinte zum Schluss, das Thema habe noch Auswirkungen auf die Haushalte der nächsten Jahre. Der Stadtrat solle in Ruhe darüber beraten und nicht jetzt eine schnelle Entscheidung über die Zukunft des Gebäudes treffen.

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