geo-net

Netzwerk für Gerolzhofen

 

 

 

 

Diskussion!

 

Norbert Vollmann fragt:

„Wo sind die Ideen und Visionen?“

 


 

 

 

Wo sind die Ideen und Visionen?

 

In einem Kommentar zur Stadtpolitik hat Redakteur Norbert Vollmann in der Mainpost vom 29.10.2011 eine wichtige Diskussion angestoßen.

 

Wir dokumentieren hier die Diskussion und mischen uns mit eigenen Standpunkten ein.

 

Hier zunächst der Link zur Mainpost: Standpunkt: Wo sind die Ideen und Visionen 

( http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Standpunkt-Wo-sind-die-Ideen-und-Visionen;art769,6397595 )

 

 

Mein Standpunkt:

 

Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, daß diese Diskussion endlich angestoßen wird. Die Lage der Stadt Gerolzhofen ist nicht einfach: Strukturelle Schwächen mit niedrigen Steuereinnahmen und hohen Ausgaben für ein dichtes Netz an Einrichtungen und zahlreiche, meist regelmäßige Aktivitäten wurden 10 Jahre lang durch die Millionen-Erlöse aus dem Verkauf der Stadtwerke verschleiert. Jetzt, da dieses Finanzpolster aufgebraucht ist, führen hohe Ausgaben zwangsläufig entweder zu einer höheren Verschuldung oder die Leistungen müssen gekürzt werden.

 

Der dritte Weg, die Erhöhung der Einnahmen und eine verbesserte Wirtschaftlichkeit der Einrichtungen ist der schwierige Weg. Er erfordert langfristiges Denken, klare Ziele und ein geschicktes Handeln der Akteure.

 

Für mich ist dieser „Dritte Weg“ der richtige Weg für Gerolzhofen.

 

 

Welche Voraussetzungen sind hierfür notwendig?

 

1.    Eine aktive und selbstbewußte Bürgerschaft, die sich in den Einrichtungen, in den Vereinen, in den Parteien und in den Kirchen engagiert und die für „Ihre“ Stadt eintritt. Engagement, Bürgersinn und demokratische Mitarbeit sind die wichtigsten Eckpfeiler in unserer Stadt.

 

2.    Die Stadt muß für die Bevölkerung attraktiv und lebenswert sein. Das Städtchen Gerolzhofen unterscheidet sich von den umliegenden Dörfern und Städten durch sein positives äußeres Erscheinungsbild mit historischer Altstadt, durch die herrlichen Grünanlagen in den Alleen und die Nützelbachaue, durch die Atmosphäre mit kulturellen Einrichtungen, den zahlreichen Festen und Aktivitäten. Ein positives Lebensgefühl ist Voraussetzung für das Wohnen in Gerolzhofen. Ziel muß es sein, zumindest den Einwohnerstand zu halten. Dies geht nur durch Zuzug von Einwohnern von außen.

 

3.    Gerolzhofen ist nicht nur Wohnstadt, sondern auch Arbeitsplatz für viele Menschen. Der Erhalt und die Neugewinnung von Firmen und Arbeitsplätzen müssen uns – auch hinsichtlich der Gewerbesteuereinnahmen – wichtig sein.

 

4.    Die Stadt kann nur überleben, wenn auch Handel und Gewerbe florieren. Eine Stadt ohne Handelsbetriebe in der Innenstadt ist eine tote Stadt oder ein Museum. Deshalb hat der Handel in der Innenstadt eine hohe Priorität. Hierdurch unterscheiden wir uns deutlich von den Stadtrandgemeinden um Schweinfurt oder Würzburg. Die Stadt muß im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten die Rahmenbedingungen positiv gestalten. Auch der Tourismus spielt für uns eine wichtige Rolle und muß ausgebaut werden.

 

5.    Ein kleines Städtchen wie unser Gerolzhofen kann sich im weiteren Umfeld nur gemeinsam mit dem Umland und der Region positionieren. „Kirchturmpolitik“ ist schädlich. Deshalb ist eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, mit den Gemeinden der Region Main-Steigerwald, aber auch mit den anderen Klein- und Mittelzentren des Umlandes, z.B. im Rahmen der „Gastlichen Fünf“ von hoher Bedeutung.

 

 

Norbert Vollmann fragt „Quo vadis, wohin gehst Du, Stadt Gerolzhofen.“ Und schiebt dann gleich die nächste Frage nach: „Wohin willst Du, lieber Stadtrat, diese Stadt führen?“

 

Ich kann mich nicht erinnern, daß „der Stadtrat“ die Stadt irgendwohin geführt hat. Es waren immer die Bürgermeister, einzelne Persönlichkeiten im Stadtrat oder eine Fraktion, die die Führungsaufgaben übernommen haben. Also müßte doch die Frage dahin gehen, ob und welche Führungskräfte momentan diese Aufgabe übernehmen? Einzelne Stadträte sind ehrenamtlich tätig, ihr Arbeitsaufwand für diese Tätigkeit beträgt zwischen 2  und 20 Stunden pro Woche für dieses Ehrenamt. Als einzelner Stadtrat kann ich zwar Vorschläge unterbreiten, die das Stadtratsgremium dann annimmt oder ablehnt, in der Hauptsache werden die Beschlußvorlagen von der Stadtverwaltung ausgearbeitet und vorgelegt. Somit ist doch klar, daß einzelne Stadträte keine besondere Führungsrolle übernehmen können.

 

 

Ich sehe meine besondere Aufgabe darin, Ideen und Vorschläge in die Diskussion einzubringen, Bündnispartner hierfür zu suchen und teilweise auch über Monate und Jahre selbst daran zu arbeiten. Hier ein paar aktuelle Beispiele:

 

·         2FrankenRadweg (Würzburg-Volkach-GEO-Handthal-Ebrach-Burgebrach-Pettstadt-Bamberg). Dieser neue touristische Radweg mit ca 100 km Länge auf fast komplett bereits ausgebauten Radwegen soll neue Tages- und Übernachtungsgäste zu uns führen. In Verbindung mit dem Mainradweg entsteht  ein Rundkurs. Die Idee dazu entstand bereits 2004, seit 2006 arbeite ich innerhalb von Leader-Arbeitskreisen kontinuierlich an der Verwirklichung. Inzwischen haben sich alle 4 betroffenen Landkreise, die beiden kreisfreien Städte Würzburg und Bamberg und die 13 an der Strecke liegenden Gemeinden beteiligt. Geplante Fertigstellung: 2012 oder 2013.

 

·         Gewerbeansiedlung: Bereits mehrfach habe ich in den vergangenen Jahren im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeiten versucht, Gewerbe- und Industriebetriebe für eine Ansiedlung in Gerolzhofen zu interessieren. Frau Bürgermeisterin Krammer wird dabei informiert und eingebunden. Leider ist die Ansiedlung neuer Firmen ein schwieriges Unterfangen und war bisher nicht erfolgreich.

 

·         Schieneninfrastruktur: Ich bin überzeugt, daß eine vorhandene Schienenanbindung zukünftig wieder an Bedeutung für den Güterverkehr und damit auch für Betriebe gewinnen wird. Ich setze mich deshalb seit vielen Jahren für den Erhalt und die Nutzung der Bahnstrecke Schweinfurt-Kitzingen ein. Mein Vorschlag ist die Neuanbindung dieser Strecke an die Hauptstrecke Würzburg-Nürnberg bei Iphofen. Dann könnte Gerolzhofen auch wieder einen ÖPNV Richtung Würzburg und Nürnberg erhalten und von den Verkehrsverbünden dieser Regionen profitieren. Im Integrierten Ländlichen Entwicklungs-Konzept (ILEK) wird eine Machbarkeitsstudie inzwischen gefordert.

 

·         Leader, ILEK: Aus Überzeugung arbeite ich von Beginn an bei beiden Programmen mit. Nur gemeinsam in der Region Main-Steigerwald sind wir stark! Ich hoffe über diese Programme eine Nutzung und eine Sanierung des Betty-Stumpf-Hauses am Marktplatz zu ermöglichen.

 

·         Ausbau der B286: Im Dezember 2010 hatte ich einen Antrag zum geplanten Ausbau der B286 gestellt. Der Antrag beinhaltete vier Punkte:

1. Verlagerung von Güterverkehren und später auch Personenverkehre auf die Bahn durch Sanierung und Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Schweinfurt-Gerolzhofen-Kitzingen.

2. Neue Ein- und Ausfädelspuren auch für die beiden Ein- und Ausfahrten in Gerolzhofen mit durchgehender Fahrspur zwischen den beiden Ein- und Ausfahrten zur Entlastung der Östlichen Allee.

3. Die Ein- und Ausfahrt Gerolzhofen Süd mit der Kreuzung Dingolshäuser Straße / Berliner Straße sollte mit einem Kreisverkehr versehen werden. (wie von der CSU gefordert)

4. Mehr Lärmschutz entlang der B286, vor allem auch auf den Brücken.

Die Punkte 2, 3 und 4 wurden vom Stadtrat als Forderung der Stadt beschlossen und werden aktuell vom Straßenbauamt Schweinfurt geprüft. Punkt 1 wird möglicherweise über ILEK geprüft.

 

·         GEO: Ich trete dafür ein, daß ehemalige KFZ-Kennzeichen GEO wieder für die Stadt und eventuell auch für das Umland auf freiwilliger Basis einzuführen. Einer Änderung der Ländervorschriften wird dies ermöglichen. GEO ist ein Werbeträger für die Stadt und für unser Gewerbe und unterstützt ein „Wir-Gefühl“ in der Region.

 

·         Erneuerbare Energien: Erneuerbare Energien sind nicht erst seit Fukushima ein Thema für geo-net und für mich. Seit Jahren haben wir uns für die erneuerbaren Energien auch in Gerolzhofen eingesetzt (Bürgersolaranlagen, Diskussion um Freiflächenanlagen, Windkraftanlagen usw.). Inzwischen entsteht, auch durch meine Initiative, in Gerolzhofen das erste Nahwärmenetz, geheizt mit Industrieabwärme und Holzhackschnitzeln. Eine Bürgerwind-Gesellschaft wäre aus meiner Sicht sehr wünschenswert um die finanziellen Erträge der Erneuerbaren Energien in der Region zu halten. Ein besonderer Erfolg war die Zustimmung im Stadtrat zu einem gemeinsamen Antrag mit der SPD gegen die Laufzeitverlängerung für AKWs im Jahr 2010.

 

 

·         Nationalpark Steigerwald: Ich bedauere es, daß von staatlicher Seite aber auch in den Gremien der Stadt Gerolzhofen keine offene Diskussion über die Vor- und Nachteile eines möglichen Nationalparks im Steigerwald geführt wurde. Erforderliche Studien wurden verweigert. Möglicherweise wurde hier eine große Chance leichtfertig verpaßt. Ich vermute: die Diskussion wird weiter gehen und ich werde sie aufmerksam begleiten.

 

·         Turnverein, Sportförderung: Die Diskussion zwischen Turnverein und Stadt hinsichtlich Hallengebühren und Stadthallennutzung war 2009 in einer Sackgasse. Nach verschiedenen Gesprächen habe ich im Jahr 2010 gemeinsam mit einem Mitglied des TV einen konkreten Vorschlag ausgearbeitet, der mittlerweile sowohl vom Stadtrat wie auch vom TV als Verhandlungsgrundlage anerkannt wurde. Die Gespräche sind auf dem Wege zu einer Lösung.

 

Diese Beispiele zeigen, womit ich mich als „Einzelstadtrat“, neben der normalen Sitzungsarbeit, ausführlich beschäftige. Ein „Patentrezept“ kenne ich nicht für die Probleme Gerolzhofens.

 

 

Mir liegt viel – wie bereits oben geschildert – an der aktiven Einbindung der Bürgerschaft ins Stadtleben. Hierzu kann auch eine Entscheidung über eine wichtige Einzelfrage gehören: Soll das GEOMARIS saniert werden?

 

Bei einer Investition von etwa 7 Millionen Euro wirkt sich diese Entscheidung finanziell gravierend auf die weiteren Einrichtungen der Stadt und auf ihren Schuldenstand aus. Falls der Anteil der Eigenmittel der Stadt für diese Sanierung über eine Million Euro liegt, müßte – falls sich die Steuersituation nicht deutlich bessert – an anderer Stelle viel Geld eingespart werden. Die Entscheidung hierüber muß ordentlich vorbereitet werden, die Konsequenzen gehören aufgezeigt. Anschließend kann hierüber die Bürgerschaft entscheiden! Entsprechend habe ich mich bereits vor einem Jahr, beim geo-net-Neujahrsempfang 2011, öffentlich geäußert.

 

Persönlich bin ich für den Erhalt des GEOMARIS, das jährlich eine Viertel Million Gäste nach GEO lockt.

 

 

Ich erhoffe mir, daß diese Diskussion über die Zukunft unserer liebenswerten Stadt intensiv fortgeführt wird!

 

 

Thomas Vizl

 

 

Teilen Sie mir doch Ihre Meinung hierzu mit: E-Mail Stichwort: Zukunft der Stadt

 

 

www.geo-net.net