geo-net

Netzwerk für Gerolzhofen

 

 

Bericht aus der Mainpost vom 30.01.2006 über die geo-net-Veranstaltung am 27.01.2006:

 

Zeitung / Gerolzhofen

29.01.2006 16:21

 

Stolpersteine wider das Vergessen der Opfer

 

 

 

gerolzhofen (mm) 125 Männer, Frauen und Kinder zählte die jüdische Gemeinde in Gerolzhofen 1933 am Vorabend der NS-Diktatur. Mitte 1942 war die Stadt "judenfrei", wie es im Nazi-Jargon hieß. Dahinter stecken öffentliche Schikanen, Vertreibungen - und Mord. 28 Gerolzhöfer Bürger jüdischen Glaubens kamen in Vernichtungslagern um. An ihr Schicksal sollen auf Initiative von geo-net künftig "Stolpersteine" im Gehsteig vor ihren einstigen Häusern erinnern.

Knapp 40 Interessierte konnte man am internationalen Holocaust-Gedenktag beim Informationsabend von geo-net zur geplanten "Stolpersteine"-Aktion "Gegen das Vergessen" im Gasthaus Tröster zählen. Die Idee hierzu geht auf den Kölner Künstler Gunter Demnig zurück, der seit 1997 bundesweit mehr als 6000 seiner Stolpersteine verlegt hat.

Dabei handelt es sich um zehn mal zehn Zentimeter große Messingsplatten, die in Beton eingegossen sind und in Gehwege eingelassen werden - genau vor den Häusern, in denen einst Opfer des Holocaust gewohnt hatten. Auf den Metallplatten stehen hierzu die Namen der Ermordeten, deren Lebensdaten sowie der Ort zu lesen, an dem sie von Helfern des NS-Regimes umgebracht wurden. Im wörtlichen Sinne stolpern kann über diese Steine niemand, denn sie werden vom Künstler an das Niveau des umgebenden Bodens angeglichen. Sie sollen Passanten allerdings zum Innehalten und Nachdenken anregen.

In Würzburg hat der Stadtrat bereits im Mai vergangenen Jahres den Beschluss gefasst, "Stolpersteine" zuzulassen. Vom gleichnamigen Würzburger Arbeitskreis (AK) stellten drei Vertreter die dort gewonnenen Erfahrungen und das Projekt an sich vor.

"Wir wollen die Menschen heute an die Menschen erinnern, die unter den Nationalsozialisten verfolgt, entehrt und ermordet wurden", fasste Benita Stolz die Grundidee zusammen. Eine große Bandbreite an Sponsoren habe mittlerweile die Finanzierung von über 100 Steinen zum Preis von je 95 Euro ermöglicht, die ab Juli diesen Jahres verlegt werden sollen.

Gerhart Gradenegger von der Recherche-Gruppe des Arbeitskreises berichtete, dass nicht nur an Juden, sondern auch an an andere Nazi-Opfer erinnert würde wie Sinti und Roma, Homosexuelle, Bibelforscher (Zeugen Jehovas) und Opfer der Euthanasie.

Gisela Lohrey ergänzte, dass es oftmals persönliche Gründe seien, die Sponsoren dazu brächten, die Patenschaft für einen Stein zu übernehmen. "Viele wollen damit ihre Erinnerung, nicht selten auch an ein bestimmtes NS-Opfer zum Ausdruck bringen." Dies sei eine Form, sich heute den Verbrechen der Vergangenheit zu stellen.

In der anschließenden Diskussion stellte Thomas Vizl im Namen von geo-net klar, dass die Initiatoren der "Stolpersteine"-Aktion in Gerolzhofen nicht gegen den Willen der neun betroffenen Hausbesitzer aktiv werden wollten, vor deren Grundstück die Steine platziert würden. Obwohl es hiergegen rein rechtlich gesehen keine Einwände gäbe, sobald ein entsprechender Stadtratsbeschluss die Aktion auf öffentlichem Grund genehmigen würde. "Wir streben auf jeden Fall einen Konsens an", so Vizl.

Überhaupt solle für die Aktion eine möglichst breite Basis in Gerolzhofen, angefangen von den Vereinen und Pfarrgemeinden bis hin zum einzelnen Bürger geschaffen werden. "Die Nationalsozialisten wollten nicht nur das Leben ihrer Opfer, sondern auch die Erinnerung an sie auslöschen", stellte Vizl klar. "Dies dürfen wir nicht zulassen. Die Stolpersteine wollen dies verhindern und bringen uns ein Stück Menschlichkeit zurück."

 

 

Zeitung / Gerolzhofen

29.01.2006 16:53

 

Gemeinde war 1942 ausgelöscht

 

 

 

Gerolzhofen (MM) Beim Informationsabend zur "Stolpersteine"-Aktion referierte Pastoralreferent Michael Pfrang zur Geschichte der jüdischen Gemeinde von Gerolzhofen, deren Wurzeln bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück reichten. Trotz regelmäßiger Anfeindungen und Schutzgelderpressungen seitens der Territorialherren stellte die jüdische Gemeinde in Gerolzhofen ein funktionierendes Gemeinwesen dar. Die im 20. Jahrhundert aufziehenden Schatten des Antisemitismus waren schon vor Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933, in dem die jüdische Gemeinde mit 125 Mitgliedern ihren Höchststand zählte, wahrnehmbar. Doch erst unter dem NS-Regime kam es zur offenen Bedrohung: 1933 erklärte der Stadtrat Juden als unerwünscht. 1935 erließ Hitler die Reichsbürgergesetze, die die Rechte der Juden drastisch einschränkten. 1936 wanderten erste Gerolzhöfer Juden aus. Während der Reichskristallnacht 1938 verwüsteten SA-Einheiten und Sympathisanten der Nazis die Gerolzhöfer Synagoge. 1942 wurden die letzten 20 jüdischen Bürger Gerolzhofens in die Vernichtungslager Belzek, Sobibor und Majdanek deportiert und ermordet. Insgesamt kostete die gewaltsame Auflösung der jüdischen Gemeinde 28 Menschen das Leben. An sie soll die Aktion "Stolpersteine" namentlich erinnern.

 

 

.

Während eines Informationsabends stellte geo-net

 

 

 


Während eines Informationsabends stellte geo-net seine Idee vor, Gerolzhofen in die Aktion "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig einzubinden. Demnig versenkt im Gehweg vor den Häusern, in denen einst Opfer des Nationalsozialismus gewohnt haben, Messingsplatten mit den Daten der Ermordeten. Deren Namen sollen so in Erinnerung bleiben. Benita Stolz vom Arbeitskreis "Stolpersteine" (links im Bild) stellte das in Würzburg angelaufene "Stolpersteine"-Projekt den Anwesenden vor.

 

 


Weitere Informationen unter:

www.geo-net.net
www.stolpersteine.com

Würzburger Stolpersteine

Kitzinger Stolpersteine

Marktbreiter Stolpersteine (SPD-Homepage)

 

Informationen zur Reichspogromnacht 1938 in Gerolzhofen

und zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Gerolzhofen.

Lesen Sie mehr …

 

zurück zur Homepage www.geo-net.net