Aktuell

Norma Ansiedlung in Gerolzhofen?

Ist die Bebauung von 11,5 Hektar Ackerland mit einem Logistikzentrum verantwortbar?

Im Industriegebiet an der Alitzheimer Straße soll das neue Regionalzentrum der Firma NORMA entstehen. Auf einer Fläche von 11,5 ha soll ein Logistikzentrum und ein Verwaltungsbau mit ca 35.000 m² Fläche und Verkehrsflächen für die LKW-Logistik errichtet werden. Die Gebäudehöhe beträgt max 12 m.


Mit der heutigen Veröffentlichung in der Mainpost ( “Norma plant riesige Investition in Gerolzhofen” ) kann darüber offen gesprochen werden: Bürgermeister und Verwaltung bereiten seit Monaten eine Neuansiedlung eines Logistikbetriebs an der Alitzheimer Straße vor. Die Firma Norma, die in Gerolzhofen auch eine Filiale in der Dr.-Georg-Schäfer-Straße betreibt, will hier ihr neues Regional- und Logistikzentrum für Unterfranken, Teile Hessens, Ober- und Mittelfrankens errichten. Von Gerolzhofen aus sollen die rund 150 Märkte in einem Gebiet zwischen Fulda, Aschaffenburg, Bad Windsheim, Erlangen und Bayreuth beliefert werden.

150 bis 170 LKW würden das Logistikzentrum täglich ansteuern. An- und Abfahrt zusammengenommen wären das täglich 300 bis 340 LKW-Fahrten auf der Alitzheimer Straße. Die Anfahrt soll über die B286 und “hauptsächlich” über die Auf- und Abfahrt Alitzheim erfolgen.

200 Arbeitsplätze entstehen
Die Firma Norma plant zunächst 206 Arbeitsplätze, hauptsächlich in der Logistik, darunter auch ca. 55 Stellen in der Verwaltung. Die Arbeitsplätze sind – so Norma – alle sozialversicherungspflichtig und im Tarif des Bayerischen Einzelhandels.

Hoher Flächenbedarf
Norma hebt hervor, dass hier kein Hochregallager wie in Donnersdorf entsteht. Die Lidl-Gebäude in Donnersdorf wären 18 m hoch, Norma plant mit einer Höhe bis 12 m. Das “G-Gebiet” für Gewerbe und Industrie im Flächennutzungsplan der Stadt Gerolzhofen ist insgesamt etwa 18 Hektar groß. Die Firma Norma würde davon 11,5 Hektar benötigen, einschließlich der potenziellen Erweiterungsflächen. Alle Flächen, die in privater Hand sind, hat sich die Firma bereits im Vorfeld gesichert und mit den Eigentümern Verträge abgeschlossen. Die restlichen Grundstücke sind in städtischer Hand. Von den 11,5 Hektar würden 3,5 Hektar bebaut. Hinzu kommen noch die großen versiegelten Flächen für die Straßen und LKW-Stellplätze. Das Logistikzentrum hat 50 Lkw-Andockstationen. Nur die Randflächen bleiben für eine Begrünung unversiegelt. Auf den Dächern sollen große Photovoltaik-Anlagen entstehen. Das Regenwasser soll auf dem Grundstück versickern. Wo die erforderlichen Ausgleichsflächen platziert werden, ist noch nicht bekannt.

Flächenfraß überall – Wir bauen unsere Äcker zu!
Der Bund Naturschutz in Bayern sieht in zunehmenden Flächenverbrauch ein großes Problem: “Natur und Artenvielfalt werden beeinträchtigt, Arbeits- und Einkaufswege verlängern sich, Lärm- und Luftbelastung nehmen zu. Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) zeigt, dass wirksamer Flächenschutz nicht nur der Natur hilft, sondern auch die Lebensqualität erhöht. Rund 13 Hektar unbebauter Fläche werden in Bayern derzeit täglich „verbraucht“. Das entspricht einer Größe von etwa 18 Fußballfeldern nach FIFA-Standard.”

Immer mehr Menschen stellen die Frage, ob eine ständige weitere Bebauung und Versiegelung von Natur- und Landwirtschaftsflächen gerechtfertigt ist.

Stadtrat muss sich zwischen Arbeitsplätzen, Gewerbesteuer und Flächenverbrauch entscheiden
Die Entscheidung über die Ansiedlung der Firma Norma trifft der Stadtrat. Er muss einem Bebauungsplan für das Gebiet zustimmen und er muss die Grundstücke der Stadt Gerolzhofen an die Firma verkaufen. Nur dann kann Norma in Gerolzhofen bauen. Somit hat er die komplette Entscheidungshohheit.

Möglich wäre selbstverständlich auch ein Bürgerbegehren. Würde eine Bürgerinitiative die erforderlichen Unterschriften zusammenbringen, läge die Entscheidungshohheit bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Die geo-net-StadträtInnen haben sich auf folgendes Vorgehen festgelegt:

  • Nach der Information der Öffentlichkeit durch die Stadt und Fa Norma erarbeiten wir einen Kriterienkatalog. Der Kriterienkatalog umfasst die Fragen der Ökologie, Flächenverbrauch, Steuereinnahmen, Arbeitsplätze, soziale Aspekte (sozialversicherungspfllichtige Arbeitsplätze, Teil-, Vollzeitarbeitsplätze, Umgang mit den Arbeitnehmern), Verkehr.
  • Anhand des Kriterienkatalogs wollen wir intern, aber auch mit der Öffentlichkeit diskutieren und verantwortlich entscheiden.
    • Unsere Informationen werden wir mit den geo-net-Mitgliedern und betroffenen Organisationen (z.B. Bund Naturschutz, Gewerkschaften, Landwirtschaft, Einzelhandel …) teilen und Stellungnahmen einholen.

      Wir hoffen auf eine intensive Beteiligung der Öffentlichkeit!


11,5 Hektar für 200 Arbeitsplätze. Viel oder wenig?
Norma verspricht mindestens 206 neue Arbeitsplätze in Gerolzhofen. Bei insgesamt 3.505 Arbeitsplätzen (Stand: 31.03.2020) in der Stadt schon ein bemerkenswerter Zuwachs. Darf man dafür 11,5 Hektar Ackerland “verbrauchen”?
Wir haben einen Vergleich mit fünf größeren Unternehmen in Gerolzhofen erstellt. Aus Gründen des Datenschutzes sind die Firmennamen anonymisiert.

  1. Firma A: 134 Arbeitsplätze pro Hektar
  2. Firma B: 78 Arbeitsplätze pro Hektar
  3. Firma C: 48 Arbeitsplätze pro Hektar
  4. Firma D: 47 Arbeitsplätze pro Hektar
  5. Firma C: 43 Arbeitsplätze pro Hektar
  6. Norma: 18 Arbeitsplätze pro Hektar (206 Arbeitsplätze bei 11,5 ha)

Die Berechnung erfolgte mit einer Flächenberechnung mittels Bayernatlas und aktuell vorliegenden Zahlen zu Arbeitsplätzen. Bei den Flächen sind Außenflächen und Parkplätze berücksichtigt. Richtigkeit und Genauigkeit kann nicht gewährleistet werden.

LKW-Verkehr in Rügshöfer Straße und Nördlicher Allee
300 zusätzliche LKW-Fahrten pro Tag in der Nördlichen Allee? Undenkbar für alle, die die Situation an der Einmündung der Alitzheimer Straße in die Nördliche Allee erleben. Norma argumentiert: Die LKW sollen großteils über die Ausfahrt Alitzheim der B286 abgewickelt werden. Ob sich die LKW-Fahrer, die oft unter großem Zeitdruck stehen, auch daran halten?

Die erforderliche Abbiegespur in der Alitzheimer Straße muss von Norma gebaut werden. Die Straße Gerolzhofen – Alitzheim ist Teil der Staatsstraße 2272. Im Abschnitt Alitzheim – Gerolzhofen ist die Straße in einem älteren Ausbauzustand und teilweise unübersichtlich. Es wäre zu prüfen, ob der Ausbauzustand dem zukünftig hohen LKW-Verkehr entspricht. Seit der Neuansiedlung der Firma Türpe fahren auch die Türpe-Fahrzeuge auf der Staatsstraße parallel zur Bundesstraße.

Eine Belieferung über die in der Nähe verlaufenden Strecke der Steigerwaldbahn ist von Norma bisher nicht vorgesehen.

Gewerbesteuer: Was brächte Norma der Stadt?
In den vergangenen fünf Jahren nahm die Stadt Gerolzhofen jährlich zwischen 1,7 und 3,5 Mio Euro aus der Gewerbesteuer ein. Nach unseren Informationen wären von Norma Gewerbesteuereinnahmen in sechstelligem Bereich zu erwarten. Ob allerdings bereits in den ersten Jahren, das ist fraglich. Zunächst muss die Firma einen zweistelligen Millionenbetrag in den neuen Standort investieren. Die Gewerbesteuer berechnet sich auf Basis des Jahresgewinns. Hohe Abschreibungen als Folge hoher Investitionen mindern den Gewinn und somit auch Gewerbesteuerzahlungen. Somit sind höhere Gewerbesteuereinnahmen bei der Stadt erst nach Jahren zu erwarten.

Norma-Spenden für gemeinnützige Organisationen
In den vergangenen Wochen hat die Manfred-Roth-Stiftung, Teil der Norma Unternehmensstiftung, an zwei gemeinnützige Einrichtungen im Raum Gerolzhofen Geld gespendet: Das Kinderdorf Oberschwarzach erhielt eine Spende in Höhe von 3000 Euro, 5000 Euro bekam der Verein Chancengeber e.V., ein Projekt der Dr. Loew Soziale Einrichtungen Haus Gerolzhofen, überreicht. Wir freuen uns über die Unterstützung der sozialen Einrichtungen. Einfluss auf die Entscheidungen der politischen Gremien darf dies allerdings nicht haben.